Rohöl im Wandel

Illustration Rohöl

Wie ein diversifiziertes Versorgungsportfolio die Energiesicherheit stärkt – Risiken in der Lieferkette jedoch nicht vollständig ausgleichen kann

Rohöl ist nach wie vor der wichtigste Ausgangsstoff in unseren Raffinerien. Eine zuverlässige Versorgung mit diesem essenziellen Input ist daher zentral für unsere Geschäftstätigkeit – und die Grundlage dafür, dass unsere Kunden von einer stabilen Belieferung mit unseren Produkten profitieren können. 

Die komplexe Dynamik der Rohölversorgung verstehen 

Selbst ein breit und ausgewogen aufgestelltes Portfolio schützt nicht vollständig vor externen Einflüssen. Die globale Rohölversorgung funktioniert als eng verzahntes internationales System: Rohöl wird von Förderstätten über Transportwege zu Raffinerien und anschließend zu den Endmärkten bewegt. 

Dieses System ist anfällig für Störungen – etwa durch Naturereignisse, Infrastrukturprobleme oder logistische Engpässe. Solche Ereignisse können den Fluss von Rohöl oder Raffinerieprodukten unterbrechen und zu Verzögerungen, höheren Transportkosten sowie geringerer regionaler Verfügbarkeit führen. 

Hinzu kommt, dass Rohöl nicht gleich Rohöl ist. Unterschiedliche Sorten weisen stark variierende Eigenschaften auf. Engpässe können daher bestimmte Rohöltypen deutlich stärker betreffen als andere. 

Wussten Sie? 

Wir beziehen Rohöl in der Regel aus rund zehn verschiedenen Ländern weltweit. Um flexibel zu bleiben, evaluieren wir laufend neue Rohölsorten. Aktuell haben etwa 360 verschiedene Rohöle den Status „geprüft“. Das bedeutet, ihre Eigenschaften wurden vollständig analysiert und sie sind für die Verarbeitung in unseren Raffinerien geeignet. 

Tiefergehende Betrachtung der Rohöleigenschaften 

Rohöl kann von leicht bis schwer und von „süß“ bis „sauer“ reichen. Es weist unterschiedliche Gehalte an Schwefel, Säuren, Stickstoff und Metallen auf und unterscheidet sich zudem hinsichtlich Fließfähigkeit sowie des Grades der Verunreinigung durch Mineralien, Salze und Schlamm. Diese Eigenschaften beeinflussen direkt, wie sich ein Rohöl im Raffinerieprozess verhält und welche Produktausbeuten erzielt werden können. 

Jede Rohölsorte muss zur jeweiligen Konfiguration und den technischen Grenzen einer Raffinerie passen. Daher ist eine sorgfältige Bewertung unerlässlich, bevor eine neue Sorte eingesetzt werden kann.

Eigenschaft 

Bedeutung 

Relevanz 


Ausbeute

 

Wie viel von jedem Produkt (z.B. Benzin, Diesel, Schweröl) aus dem Rohöl gewonnen werden kann. 

Zeigt, welche Produkte in welchen Mengen hergestellt werden können. Hohe Ausbeuten wertvoller Produkte erhöhen die Wirtschaftlichkeit. 


Dichte

 

Maß dafür, wie leicht oder schwer ein Rohöl ist (typisch: API 30–40; höhere Werte = leichter). 

Leichte Rohöle liefern mehr hochwertige Produkte, schwere erzeugen mehr Rückstände. 


Schwefelgehalt  

 

Anteil an Schwefel im Rohöl (niedrig = „süß“, hoch = „sauer“). 

Schwefel muss entfernt werden, um Spezifikationen zu erfüllen; erhöht sonst die Verarbeitungskosten. 


Fließfähigkeit

 

Temperatur, bei der das Öl beginnt, wachsartig oder fest zu werden. 

Relevant für Transport und Lagerung; manche Rohöle müssen beheizt werden. 


Viskosität

 

Zähflüssigkeit des Öls (hoch = dickflüssig, niedrig = dünnflüssig) 

Dickflüssiges Öl ist schwieriger und teurer zu fördern und zu transportieren. 


Säuregehalt 

 

Total Acid Number – Maß für die Korrosivität des Rohöls. 

Hohe Werte können Anlagen in der Raffinerie beschädigen. 


Metalle

 

Natürlich enthaltene Metalle wie Nickel oder Vanadium. 

Können Katalysatoren und Anlagen beeinträchtigen, müssen daher entfernt werden. 

Wir optimieren unser Rohölportfolio fortlaufend, um eine konstante Produktqualität sicherzustellen, Lieferunterbrechungen zu minimieren und Abhängigkeiten zu verringern. Dank unserer integrierten Wertschöpfungskette bieten wir effiziente und flexible Lösungen, die unseren Kunden nachhaltigen Mehrwert verschaffen.